Blockaden und Veränderung

Gibt es etwas in deinem Leben, das du gerne ändern würdest? Und wenn du versucht hast, es zu ändern, bist du gescheitert? Vielleicht ist es sogar etwas, das dir großes Leid verursacht, und dennoch fühlst du dich machtlos, einen nachhaltig neuen Weg für dich einzuschlagen. Wie dein Gehirn gegen dich arbeitet und wie dieses Bewusstsein die Tür zu neuen und besseren Entscheidungen öffnen kann.

Der schwierigste Punkt an der Veränderung ist, nicht dieselbe Entscheidung zu treffen, die man bisher getroffen hat. Denn in dem Moment, in dem man doch eine neue Entscheidung trifft, begeben wir uns vom Bekannten ins Unbekannte – und dann entsteht ein unangenehmes Gefühl des Unbehagens. Warum?

Das Gehirn bevorzugt Vorhersehbarkeit. Im Wesentlichen ist das Gehirn wie ein großer organischer Taschenrechner, der die Gesamtsumme der Eingaben vergangener Entscheidungen und deren Ergebnisse gespeichert hat, mit dem übergeordneten Ziel, dein Überleben zu gewährleisten. Input x = Outcome y: Bisher berechenbar überlebt, somit alles gut. Die Vorliebe der Berechenbarheit hat ihren Ursprung im limbischen System – dem emotionalen Kommandozentrum, das eine Schlüsselrolle bei Angst und Belohnung spielt. Wenn du dich für das Vertraute entscheidest, belohnt dich dein Gehirn mit einem kleinen Dopamin-Schub. „Gut gemacht,“ sagt es dir. „Du hast wieder einmal überlebt.“

Deswegen fühlt sich persönliches Wachstum grundsätzlich unangenehm an: Weil alles Neue unweigerlich nicht vertraut ist, ist es somit gleich bedrohlich. Dabei ist es hilfreich zu verstehen, dass dein Gehirn dich nicht sabotieren will – es will dich beschützen. Nur ist ein Gehirn leider nicht immer gut in der Lage, zwischen „gefährlich“ und „anders“ zu differenzieren.

Der bioevolutionäre Imperativ des Überlebens spielt eine grundlegende Rolle dabei, warum wir uns immer wieder für Verhaltensweisen, Situationen und Beziehungsmuster entscheiden, die uns im Wesentlichen nicht erfüllen – oder sogar unser Leben total beeinträchtigen. Die Folge davon ist, dass man häufig den Eindruck durch dieses „immer wieder bei angestrebten Veränderungen scheitern“ den trügerischen Eindruck gewinnt, etwas sei grundlegend falsch mit einem selbst, als sei man kaputt, inkompetent oder unfähig.

Wenn du Schwierigkeiten hast, angestrebte Veränderungen zu vollziehen, heißt das nicht, dass du nicht genug tust oder dass du schlecht, beschämend oder falsch bist. Die Realität ist, dass dein Gehirn in gewisser Weise darauf vorprogrammiert ist, gegen dich zu arbeiten. Das ist keine Ausrede oder Entschuldigung: Es ist einfach wahr.

Sich vor Augen zu führen, dass das Gehirn das Bekannte und Berechenbare bevorzugt, selbst wenn wir unter den Folgen davon leiden, anstatt uns etwas Neues zuzumuten, ist eine Einladung und eine Gelegenheit, uns selbst mit Selbstmitgefühl statt mit Selbstverurteilung zu begegnen. Und eine Veränderung, die aus Bewusstsein, Freundlichkeit und Mitgefühl heraus erfolgt, ist nicht nur freundlicher, sondern auch ein Weg, der weiter und nachhaltiger ist als Schuldgefühle oder Zwang dich bringen können.

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